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Presse 2008

Mitarbeiter in »vernetzte Kultur« einbinden

Katja Weingartz referierte im Technologie- und Informationszentrum Gießen (TIG) vor etwa 30 im Einzelhandel tätigen Unternehmerinnen aus der Region. Gießen (srs). Ein freundliches Betriebsklima wird in vielen Unternehmen eher als »weicher«, für den Erfolg zweitrangiger Faktor angesehen - im Gegensatz zu den harten Zahlen und Umsatzdaten. »Dem ist aber nicht so«, widersprach am Mittwochabend die Diplom-Volkswirtin Katja Weingartz in einem Vortrag im Europaviertel.

Katja Weingartz ist Diplom-Volkswirtin.
Katja Weingartz ist Diplom-
Volkswirtin.

Während Großunternehmen die Möglichkeit hätten, sich mit Hilfe groß angelegter Werbung und günstigen Preisen im Wettbewerb durchzusetzen, »müssen Einzelhändler durch etwas Besonderes herausstechen«. Voraussetzung für dieses Besondere sei eine kollegiale, von allen Mitarbeitern verinnerlichte Firmenkultur, sagte Weingartz. Sie referierte im Technologie- und Informationszentrum Gießen (TIG) vor etwa 30 im Einzelhandel tätigen Unternehmerinnen aus der Region.

Der Erfolg eines Verkaufsgesprächs sei im Wesentlichen von Wahrnehmung bestimmt, betonte die Referentin. »Wenn der Kunde merkt, dass im Geschäft eine gute Atmosphäre herrscht, dann fühlt auch er sich wohl.«

Schlüsselfaktoren für eine Unternehmenskultur seien »Soziabilität und Solidarität«. Ersteres bedeute Offenheit und reger Informationsaustausch zwischen den Kollegen sowie Aufgeschlossenheit für neue Ideen und ungewöhnliche Meinungen. Gleichzeitig sei allerdings einem zu großen Harmoniebedürfnis entgegenzutreten und der Gefahr, dass schwache Leistung hingenommen werde. Solidarität definierte Weingartz als »Interessensgleichheit«. Ein solidarisches Unternehmen, erklärte sie, zeichne sich durch einen »hohen strategischen, von allen Mitarbeitern ausgerichteten Fokus« aus. Dies berge jedoch die Gefahr, dass Kollegen nur dann zusammenarbeiteten, wenn sie darin einen klaren Nutzen sähen.

Vordringliche Aufgabe für kleine Unternehmen, so betonte die Einzelhandelsexpertin, sei eine »vernetzte Kultur«. Ziele, Aufgabenbeschreibungen und eine Vision müssten transparent niedergeschrieben sein. »Die Kollegen sollten außerdem erfahren, dass Leistung Spaß macht.« Auch Teilzeit- und Hilfskräfte müssten die Unterschiede von Absatz und Umsatz kennen. Die Talente und zudem die Wertvorstellungen der Mitarbeiter seien zu berücksichtigen, hob Weingartz hervor. Gleichzeitig dürfe die Bedeutung von gemeinsamen Feiern nicht unterschätzt werden. »Der Mensch steht im Mittelpunkt«, sagte die Referentin.

Eingeladen zu der Veranstaltung hatten die »Qualifizierungsoffensive Mittelhessen« und das Netzwerk »NetE«, das sich aus momentan neun im Einzelhandel tätigen Unternehmerinnen aus der Region zusammensetzt. In einer an den Vortrag anschließenden Podiumsdiskussion stellten die Frauen das im März letzten Jahres gegründete Netzwerk vor.

Die Unternehmerinnen treffen sich alle sechs bis acht Wochen, tauschen sich über aktuelle Entwicklungen aus und besuchen gemeinsam Seminare.