Presse 2007
Einzelhandel soll seinen Kunden Vertrautheit bieten
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- 26.03.2007
- - Gießener Anzeiger
Die Großen auf dem Markt winkten in Rundfunk, Fernsehen und Zeitungen mit Rabattaktionen, Schnäppchenangeboten, Discountpreisen, Sonderaktionen und vielem mehr, was sich dann nicht selten als Mogelpackung erweise. Marx sieht die Folgen all dessen: Die um sich greifende Geiz-ist-geil-Mentalität, die Märkte auf der grünen Wiese, die Shopping-Center, Kaufhäuser und Filialen in den Städten machen es den kleinen und mittleren Einzelhandelsgeschäften zunehmend schwer, ihre Existenz zu behaupten, gerade auch auf dem flachen Land .
Marx sieht jedoch auch Licht am Horizont. Und zwar in Form des "kleinen Unterschiedes", jener ganz speziellen Kriterien, mit denen sich der inhabergeführte Einzelhandel von den großen Ketten unterscheiden kann und muss. Als Stichworte nannte Marx Service- sowie Zielgruppenorientierung, Fachberatung und Freundlichkleit.
Referentin Katja Weingartz, selbstständige Beraterin aus Mönchengladbach, präzisierte in einer erfrischenden, rasanten, von rheinischem Humor geprägten Diktion vor den 70 Zuhörern - zumeist Einzelhändler und Geschäftsinhaber aus der Region - die Vorschläge des Landrats und machte Mut, Erwartungshaltungen zu widersprechen, andere zu verblüffen und gar zu provozieren.
Denn die "Zeiten der Warenverteilung" sind laut Weingartz vorbei und "das Mittelmaß hat ausgedient". Der Kunde wolle nicht mehr König sein sondern Freund, der beim Einkaufen Vertrauen und Geborgenheit suche, weil er dies in Zeiten zunehmender Vereinzelung zu Haus vielfach nicht mehr vorfinde.
Der moderne und innovative Einzelhandel müsse dem Kunden diese Geborgenheit und Vertrautheit bieten, wie dies einst die Tante-Emma-Läden taten. Weingartz riet dringend dazu, solche Bindungen - natürlich orientiert an den Kundenwünschen - herzustellen "und mit Zuverlässigkeit und Vertrauen nachhaltig zu sichern".
Herzstück solchen Dienstleistungsverständnisses sei der Geschäftsinhaber. Er müsse Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit im Geschäft und auch im Umgang mit seinen Angestellten vorleben, um diese zu gleichem Verhalten zu animieren und zu motivieren. Der Kunde von heute brauche und suche ein einfaches Geschäftskonzept, das er schnell verstehe. Für den Einzelhandel, der sich gegen die Großen behaupten wolle, heiße dies, sich auf das Kerngeschäft und auf die eigenen Stärken zu konzentrieren.
Der Einzelhandel müsse überlegen, wie er sich um seine "Marke" herum aufwerten könne.
Vor allem brauche der Einzelhandel nicht alles zu bieten. Das machten die "Großen". Der Trumpf des Einzelhandels sei der Mehrwert, den er seinen Kunden biete. Mehrwert in Form von Konsumlust und Lebensfreude, Bindung durch Vertrauen und Anteilnahme, durch einfache und klare Wertstrukturen.
"Aldi ist mit Einfachheit, mit verbindlichen Spielregeln und Verhaltensmustern groß geworden", so Weingartz, ein Prinzip, das auch im Einzelhandel funktioniere. Zudem riet Weingartz den Einzelhändlern auf dem Lande, sich als Teil des sozialen Gefüges ihrer Gemeinde oder ihrer Stadt zu verstehen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, sich ins Vereinsleben zu integrieren, an Feiern und Festen teilzunehmen, wozu letzlich auch Sponsoring gehöre.
Der Fachvortrag im Technologie- und Innovationszentrum Gießen (TIG) war ein Angebot der Qualifizierungsoffensive Mittelhessen, unterstützt vom Einzelhandelsverband Hessen-Mitte e.V. und zahlreichen Gewerbevereinen aus dem Landkreis.





