Presse 2006
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01.06.2006
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- Gießener Allgemeine
Auf den kreisrunden Speisen- und Getränkekarten steht in großen Lettern »Gastlichkeit zum Anpfiff«; im Bund werden die Blätter von einer Schnur zusammengehalten, an der eine Trillerpfeife hängt. Im kulinarischen Angebot sind »Hackentrick« und »Kahn-Hahn«, »Fußballschlappe« und »Traumpass«. Hinter »Wunder von Bern 1954« verbirgt sich ein Rumpsteak an Berner Rösti, hinter »Holland-Bezwinger 1974« ein zartes Rinderrückensteak auf Oranje-Gemüsen. Nicht zu vergessen die aus Grenadine, Erdbeermark, Lemon-Squash sowie Kirsch- und Orangensaft gemixte »Blutgrätsche«, ein leckerer Cocktail ohne Alkohol. Die Rede ist von einer zur Fußball-WM am 9. Juni beginnenden Offensive heimischer Gastronomen, die Landrat Willi Marx gestern im Beisein von Ex-Weltmeister Uwe Bein im Arnsburger Landhaus »Klosterwald« bei Lich vorstellte. In der Runde zudem – neben etlichen Kommunalpolitikern – die Förderer und Begleiter der vierwöchigen Aktion.Ausgangspunkt des gestern von Sportjournalist Werner Damm moderierten Treffens war vor einem guten Jahr die Anregung der Qualifizierungsoffensive Mittelhessen, einer Kreiseinrichtung zur Wirtschaftsförderung, heimischen Gastronomen eine sechsteilige Seminarreihe anzubieten, die das Umsetzen von Marketingkonzepten zu Inhalt hat – am Beispiel der WM im eigenen Land. Wie die nimmermüden »Macher«, Gabriele Gotthardt und Holger Fischer, darlegten, blieben nach der Auftaktveranstaltung sechs Häuser am Ball: Klaus Göttmann mit dem »Havana Club« in Gießen, Markus Müller mit dem »Klosterwald«, Jens Jensen und das Sporthotel Grünberg, Sabrina Schwarz mit dem Laubacher »Waldhaus«, Klaus Kühn vom Bistro »Schirn« in Grünberg sowie Tilemachos Mechanezidis und »Bakchos«, der jetzt im früheren »Burghof« zu Gießen ansässige Grieche. Sie investierten Zeit, Ideen, auch Geld, gingen auf Partner- und Sponsorensuche, entwickelten ein gemeinsames Konzept, das letztlich darauf abzielt, der werten Kundschaft ausgerechnet zur Weltmeisterschaft einen Besuch bei ihnen schmackhaft zu machen.Landrat Marx (»Als Politiker muss man Angriff und Abwehr spielen können«) begründete die aufWirtschafts- und Tourismusförderung ausgerichtete Anregung seiner Verwaltung, nannte »Gastlichkeit zum Anpfiff« als Aktion »ziemlich einmalig inHessen: »Möge ihr Erfolg beschieden sein!« Gotthardt meinte, es sei während des Seminarjahres anregend gewesen, ein realistisches, praxisnahes Ziel vor Augen zu haben.Damm stellte die einzelnen Gastronomen vor, die ihrerseits ihre Motivation beschrieben. Einen neuen Gästekreis wolle man ansprechen, sagte Schwarz. Müller unterstrich schmunzelnd, dass es bei ihm und den Kollegen – trotz »Blutgrätsche« – keinen Platzverweis gebe. Der Rahmen ist allen Häusern gemeinsam – die inhaltliche Ausgestaltung obliegt jedem Teilnehmer selbst; je nach Art seines Gastro-Unternehmens. Nur einer schaute gestern ein wenig »bedröppelt« drein: Jens Jensen machte keinen Hehl aus der Enttäuschung darüber, dass die Sportschule – immerhin klopften zehn Interessenten an – kein Gästeteam beherbergen darf. Letztlich sei es um das Geld gegangen, das die Umgarnten forderten – über eine Millionen Schweizer Franken Startgeld der Fifa hinaus und die 250 Euro, die für bis zu 45 Personen pro Kopf an Tagegeld gezahlt werden. Befragt nach den deutschen WM-Chancen,abgeleitetet vom Vorabendtest gegen Japan, sagte Uwe Bein: Das 2:2 sei für die Klinsmann-Elf sehr schmeichelhaft gewesen. Aber immerhin habe man eindrucksvoll gesehen, dass die Frankfurter Eintracht mit Takahara einen guten neuen Torjäger verpflichtet habe...