"Clowns" finden im Betrieb meist Lösung für Probleme
13.09.2004 - Gießener Anzeiger
GIESSEN (cvg). Lachen ist gesund. Dies dürfte eine Binsenweisheit sein. Wenn diese aber in ein Seminar verpackt wird, dann kann dies durchaus einen Nachmittag füllen. So geschehen im Technologie- und Innovationszentrum Gießen (TIG). Scherzhaft erklärte Holger Fischer, Beauftragter des Landkreis Gießen für die Qualifizierungsoffensive Mittelhessen: "Da können Sie mal sehen, wie skurril es bei uns zugeht." Skurril war das, was die Kölner Ärztin und Psychotherapeutin Dr. Petra Klapps vom Kolibri-Institut in ihrer Eigenschaft als ausgebildeter Clown aus der Schule eines Marcel Marceau im TIG ihren Zuhörer darbot, durchaus. Oder wie soll man das sonst bezeichnen, wenn gestandene Geschäftsleute sich plötzlich imaginäre Kirschkerne gegenseitig ins Gesicht spucken oder laut "whole" rufend durchs Rund marschieren? Dabei hatte das für Außenstehende äußerst ulkige Gebaren der illustren Runde durchaus einen ernsthaften Hintergrund. Denn es ging um nicht mehr und nicht weniger als Humor in der Unternehmensführung und die Bedeutung von "Clowns" im Unternehmen. Clown darf nicht verletzenDabei gehe es nicht um den sprichwörtlichen "dummen August" aus dem Zirkus mit der roten Nase, machte Klapps rasch deutlich. "Ein Clown darf nicht verletzen, sich über die Schwächen anderer lustig machen", wies Klapps auf einen großen Unterschied zum Auftritt vieler Circus-Clowns hin. Wie sinnvoll ein solches Seminar sein kann, im Gießener TIG ein Novum, hatte die Neurologin ihren Zuhörern drastisch vor Ohren und Augen geführt. "Ich muss Sie jetzt erst mal ein bißchen quälen. Um Sie ins Thema einzuführen." So führte sie eine gute Stunde aus, warum Humor und Lachen wichtig sind. Jeden Tag einmal lachen oder sich selbst oder anderen mal ein ehrliches Lächeln zu schenken. "Deutschland ist eine Insel, eine Insel ohne Humor", sagte die Kölner Humor-Expertin im Gespräch mit dem Anzeiger. Meistens täten sich die Deutschen schwer, Humor zu zeigen. Während der Arbeit ein Lächeln zu zeigen oder einfach mit einem heiteren Gemüt aufzutreten, werde häufig genug so gedeutet, als nähme der Kollege, der so auftritt, seine Arbeit nicht ernst. "Hierin liegt ein großer Irrtum", hob Klapps hervor und brachte Beispiele aus der Humorwissenschaft. Danach entwickeln humorvolle Menschen meistens gute Ideen, sind gesünder, wirken einfach umgänglicher. Allerdings: "Als Vorgesetzte müssen Sie auch damit rechnen, dass ein humorvoller Mitarbeiter durchaus eigenwillig ist, seinen Wert kennt". Der entscheidende Punkt nach Klapps ist dieser: Hat ein Mitarbeiter Humor, hat er Eigenschaften, die einen echten Clown ausmachen, so sieht er in Problemen eine Herausforderung und keinen Grund, aufzugeben und den Kopf in den Sand zu stecken. "Sie kennen das: Da haben Sie eine Lösung für eine Aufgabe gefunden, probieren sie aus und stellen fest: Es geht nicht. So was Blödes. Der Clown sagt aber: Aha, so geht es also nicht, und zwinkert mit dem Auge. Dann probiert er einfach was Neues und findet in aller Regel auch einen Weg. Der mag zwar nicht unbedingt logisch erscheinen, aber er führt zum Ziel, zur Lösung der Aufgabe". Um ihre Zuhörer dazu zu bringen, aus dem gewohnten Alltagstrott auszubrechen, forderte Klapps, sich erst einmal äußerst intensiv miteinander zu befassen: Erst sollten beim Umherschlendern im Foyer gegenseitig die Schuhe betrachtet werden, um dann über den Nacken und die Ohrläppchen dem jeweiligen Nachbarn schließlich sehr direkt in die Augen zu blicken. Weiter sollten sich die Teilnehmer dann jeweils einen Partner aussuchen und sich gegenseitig etwas über eigene heimliche Talente erzählen. Verlegenes Lächeln Der Sinn der Übung: "Meistens sind wir ganz gut darin, erst einmal zu sagen, was ich oder der andere nicht kann, was blöd ist, was nicht gut ist. Das beherrschen wir. Es geht aber auch anders", erklärte Klapps. Mit einem Lächeln und manchmal einem breiten Lachen ließ die Humorlehrerin während keiner Minute das Gefühl aufkommen, dass sich irgendeiner der Teilnehmer verletzt vorkam. Lediglich das eine oder andere verlegene Lächeln war anfangs auf manchem Gesicht auszumachen. Nur ein Teilnehmer fand nicht so rechten Gefallen daran: "Ich finde das hier nicht ehrlich. Jetzt tun sie alle so locker, und im Büro geht wieder das Herumgehacke los", sagte der Mann zu Klapps.









