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Holzpellets als Energieträger regional erfolgreich vermarkten

GIESSEN (cvg). "Ich betreue die Heizungen von 2000 Häusern. Bei denen gibt es gerade mal zwei, die ihren Wärmebedarf mit Hilfe von Holzpellets decken." Eher skeptisch äußerte sich der Wettenberger Bezirksschornsteinfegermeister Hans-Peter Steckbauer zum Thema "Hat Biomasse im Kreis Gießen eine Zukunft oder nicht?" Unter dem Leitthema "Zukunftsmarkt Biomasse" hatte die Klimaschutz- und Energieagentur Mittelhessen (KEM) am Samstag gemeinsam mit der "Qualifizierungsoffensive Mittelhessen" zirka 50 Handwerker, Architekten, Ingenieure sowie Vertreter von Kommunalverwaltungen zu einer Fachtagung ins Holz- und Technik-Museum in den Wettenberger Ortsteil Wißmar eingeladen. Steckbauers Skepsis zeige, dass noch viel Pionierarbeit für den Einsatz von Biomasse als Energieträger geleistet werden müsse. Das stellten Holger Fischer und Dr. Sabine Kleemann auf der Tagung fest. Fischer ist Qualifizierungsbeauftragter des Landkreis Gießen für Handwerk und kleinere Unternehmen, Kleemann ist Ansprechpartnerin der KEM. "Genau mit dieser Skepsis hatten wir auch zu kämpfen", erklärte Kurt Ledderhose. Der Bereichsleiter Technik des Fördervereins für neue Technik und regenerative Energien im Handwerk (Kassel) stellte den Weg der Nordhessen ins Geschäft rund um regenerative Energien und Biomasse vor. Ledderhose berichtete über die Entstehungsgeschichte seines Vereines, der mittlerweile europaweit agiert und diverse Lehrbücher über Biomassenutzung herausgebracht hat. Die Organisation, zu deren Gründungsmitgliedern auch die Elektro-, Sanitär- und Glaserinnungen aus dem Kasseler Raum gehören, arbeitet eng mit der Kasseler Universität zusammen. "Auslöser waren Kontakte ins Waldviertel nach Österreich", erklärte Ledderhose, weshalb der Verein, der sich anfänglich nur mit Photovoltaik befasst hatte, nun auch in der Biomassevermarktung an vorderster Front vertreten ist. "Es kommt nicht auf die großflächige Vermarktung an. Das ist der Fehler, den wir hier in Deutschland immer wieder machen. Die Österreicher haben uns vorgemacht, wie Holz als Energieträger in einer kleinen regionalen Struktur vermarktet werden kann", berichtete Ledderhose über die Erfolgsgeschichte des ehedem armen Waldviertels in unmittelbarer Nachbarschaft zur Tschechei. "Es gibt einen handfesten Grund, wieso wir uns als Handwerker den neuen Techniken stellen sollten: Wenn wir es nicht tun, bricht irgendwann unser Markt weg. Wir müssen zeigen, dass wir auch auf dem Gebiet der Biomasse der Ansprechpartner für die Bauherren von Ein- oder Zweifamilienhäusern sind", unterstrich der Referent. "Ich stelle zwei Dinge fest: Wir brauchen eine vernünftige Vermarktungsstrategie für Biomasse, im speziellen aus Holz. Zum anderen sollten sich die Experten einig werden, welche Heizwerte denn nun für potenzielle Kunden verbindlich sein sollen", zog der Geschäftsführer der Gießener Abfall-Consult, Peter Momper, eine Bilanz aus den Vorträgen. Der Lindener Revierförster Jörg Senn- stock erläuterte die auf dem Nachhaltigkeitsprinzip basierende Holznutzung in den heimischen Wäldern. Ein Raummeter Buchenholz ersetzt laut Sennstock etwa 200 Liter Heizöl. Zudem sei Holz als Brennstoff aus ökologischer Sicht CO2-neutral. Gernot Becker von der Firma Schäfer E. L. Heiztechnik (Pohlheim) berichtete über das Einsatzspektrum von Holzpellets und die erfolgreiche Vermarktung der entsprechenden Brennkessel. Wettenbergs Bürgermeister Gerhard Schmidt wies darauf hin, dass die Gemeinden Heuchelheim, Biebertal und Wettenberg mit der KEM in Kürze neue Verwertungsmöglichkeiten für Holz als Energieträger erörtern wollen. "Die Zusammenarbeit mit der Gießener Innung für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik oder mit dem Kasseler Förderverein für neue Technik ist bei der künftigen effektiven Verwertung von Biomasse im Kreis Gießen unabdingbar", stellte der ehrenamtliche Kreisbeigeordnete Andreas Becker fest. Becker ist als Dezernent der Kreisverwaltung auch für die Qualifizierungsoffensive Mittelhessen zuständig.

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